Gespeichert unter: 1. Konzertberichte
Scheinbar wollten Schalltot am Samstag eine vergleichbare Verspätung im Programm wie am Freitag verhindern…
Bei unserem Eintreffen kurz nach fünf waren Defeat nämlich schon eifrig zu Werke. Irgendwo hab ich mir mal eine MP3 von ihnen im Netz angehört und daraufhin meine Erwartungen recht niedrig angesetzt. Doch was mir die Jungs gestern auf der Bühne boten hatte mit besagter MP3 so rein gar nichts gemein. Obschon kein Denkmal an Innovation, instrumentell gesehen war ihr Hardcore/Crustpunk sehr überzeugend. Einzig der Schreigesang, welchen sich der Drummer und der eigentliche Sänger teilten, wies vereinzelte wackelige Momente auf.
Medley Jukebox waren mir zu dem Zeitpunkt noch gänzlich unbekannt, obwohl die Band aus bekannten Gesichtern besteht. Zugegeben, mit der Musik ihrer früheren Band Myein hatte dieses Set rein gar nichts mehr gemein, ganz im Gegenteil. Wo Myein noch mächtig viel Popappeal bewiesen und eingängig daherkamen, wurde man bei Medley Jukebox mit verschiedensten Einflüssen regelrecht bombardiert. Hier steckte so viel drin, mal waschechter Prog, dann wieder Hardrock, dann etwas off-beat-lastige Ragga-Rhythmen. Was aber zu gefallen wusste war, dass hier alles Kopf und Schwanz hatte. Dieses kurzweilige Sammelsurium an interessanten Ideen erreichte aber ihren Höhepunkt im letzten Song, der in bester Actarus-Tradition sehr postrockig rüberkam und wirklich auf ganzer Linie zu überzeugen wusste.
An dieser Stelle sollten eigentlich die Broken Stars auf der Bühne stehen. Doch leider mussten nach den Kitshickers und Mock Orange auch sie das Handtuch werfen. Also sprang Communicaution, besser bekannt als Eric, Sänger von Rise Up und Schlagzeuger von eben den Broken Stars. Tatsächlich macht sich der Herr sehr gut als Alleinunterhalter mit akustischer Gitarre. Da Eric sich aber etwas alleine fühlte, beorderte er das noch sehr spärlich anwesende Publikum der Bühne näher zu treten. Dann durfte es, etwa im musikalischen Stile eines Conor Oberst, losgehen. Eigentlich eher etwas für kleinere Lokale, doch in direkter Nähe der Bühne vergaß man schnell, dass die Kufa eigentlich über 500 Leute zu fassen vermag. Gegen Ende widmete Eric noch einen Song seinen Angina geplagten Kollegen Giordano und Jean-Luc und dann war das zu keinem Zeitpunkt langatmige Set auch bald durch.
Mit Jordan sollte uns dann eine sehr ungewöhnliche Show zuteil werden. Erst einmal fiel auf, dass die Band anstelle eines Bassisten einen Keyboarder an Bord hatte. Ihre Bühnenshow war an Hyperaktivität und extremen Verrenkungen kaum zu übertreffen. Nach anfänglicher Unsicherheit, begeisterte mich ihre Musik, die wie eine Mischung von Bloc Party und peters. klingt, dann auch noch auf ganzer Linie. Hier stimmte einfach alles, an diesen Auftritt sollte nur noch die folgende Band heranreichen.
Mit Fast Friday stand dann der Gewinner des letztjährigen Emergenza-Festivals auf der Bühne. Man durfte gespannt sein ob und wie die Band sich nach den Festivalbesuchen in Belgien (Alive) und Deutschland (Taubertal) weiterentwickelt hat. Mit ihrer neuen Platte „The sweeter the sin, the bitter the taste“ im Rücken bolzten sie dann auch vor Selbstvertrauen strotzend los. Und was einem hier geboten wurde, war mehr als denkwürdig. Ein überwältigender Auftritt der sogar noch die Performances der Bands des 1. Tages in den Schatten stellte. Jan Hennico’s Shouts, doch insbesondere seine überragenden Gesangslinien, die bei 2 Liedern noch von David Moreira (der am Vortag noch mit Silence is Welcome auf der Bühne stand) tatkräftig unterstützt wurden, waren ein wahre Wonne. Hier passte einfach alles, die neuen Songs wirken einfach ausgereifter und ausgefeilter, die Show war klasse, der Sound spitze. Für mich der Auftritt des Wochenendes.
Zwischen den Auftritten der Bands wurde einem neben der Gallerie, wo nationale und internationale Künstler ihre Werke ausstellten, auch im Kinosch Rahmenprogramm geboten. Eigentlich sollten im Kino Videos und Clips über die hiesige Musikszene der letzten zehn Jahre vorgeführt werden, doch leider blieb die Leinwand bei meinen gelegentlichen Besuchen stets leer. Eigentlich schade.
Coliseum fanden bei den etwa 200 Anwesenden eher mässigen Anklang. Auch mich konnten sie mit ihrem eintönig-monotonen Sound nicht überzeugen. Wo bei Motorhead noch wenigstens Lemmy Unterhaltungswert hat, kratzte Coliseum doch sehr nahe an der Belanglosigskeitsgrenze. Für mich, neben den Made out of Babies der schwächste Beitrag des Festivals.
B-Abuse sprangen erst 2 Tage vor dem Konzert kurzfristig für die verhinderten Mock Orange ein. Sie fingen ihr Set mit einer auf gut 3 Minuten geschätzte Introsequenz an, die die meisten Zuschauer wohl abschreckte, denn richtig voll war der Saal nicht als B-Abuse mit einem extremst langsamen Doom-Song anfingen. Mehr als 20bpm hatte der erste Song wohl kaum und dieser Soundkoloss der auf die Zuschauer einfiel hatte getragen-düstere Endzeitstimmung. Späterhin zogen sie aber dann das Tempo an und die zappendustere Postrock-Songs erinnerten dann teilweise an die alten Mogwai-Noisebrocken oder teilwiese auch an Old Man Gloom oder gar Isis.
Da die ganze Running Order schon ziemlich durcheinander gewirbelt wurde, spielten auch Lords dann schlussendlich nicht als letzte Band, sondern sie konnten vor La Fa Connected ihr Set anstimmen. Als Mixtur aus Blag Flag und Black Sabbath angekündigt, tönte es auch tatsächlich nach einem fiesen Hybrid dieser beiden Kultbands. Der Sänger erinnerte mich ab und zu auch an Jack Black, denn über seine gestikgeschwängerten und fast ausschliesslich sinnfreien Ansprachen ans Publikum durfte auch mal geschmunzelt werden ehe wieder mit schwindelerregendem Tempo der Black Flag-Klassiker „Gimme Gimme Gimme“ zum Besten gegeben wurde.
Mit Lafa Connected wurde uns zum Schluss noch eine mehr als willkommene Auflockerung geboten. Nach den ganzen schwermütigen Bands zuvor, war dies eine wahre Erlösung. Sim versuchte sich als großer Redner, doch sah, der späten Stunde halber, recht bald wieder von seinem Vorhaben ab. Da ich die vier Indie-Rocker bereits vorige Woche nur ein paar Meter weiter rechts und in besserer Form (sowohl Lafa, als auch ich selbst) erlebt hatte, verließ ich ihr Konzert nach “Bla Bla Weapon“.
Trotz eines durch Mock Orange’s Ausfall geschwächtes Hauptprogramm und viel durcheinander im Programm, bleibt diese dritte Auflage des OOTC in bester Erinnerung. Dass die fünf ersten Bands vom Samstag das Hauptprogramm in den Schatten stellten, macht die Sache nur noch schöner und wird wohl Einigen die erst gegen Abend eintrafen eine Lehre sein. Bleibt nur zu hoffen, dass die Zuschauerflaute, wie sie schon beim NEF 2005 festzustellen war, nicht zur Regel wird. Denn gestern waren kaum mehr Zuschauer zu verbuchen als am ersten Tag.
Keine Kommentare bis jetzt
Einen Kommentar schreiben
Einen Kommentar schreiben
Zeilen- und Absatzumbrüche automatisch, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt, HTML-Tags zulässig:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>





