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Dieses verlängerte Wochenende fand jetzt schon zum 6. Mal in Folge das äusserst populäre Motel Mozaique-Festival in Rotterdam statt.
Zu sehr attraktiven Preisen wurde einem hier sehr viel für sein schwer erarbeitetes Geld geboten, denn neben grossartigen Musicacts boten vor allem sehr bequem eingerichtete Locations (dazu später mehr) und viele interessante Kunstaustellungen das nötige Rahmenprogramm. Das Festival an sich startete bereits am Donnerstag den 13. April und dauerte bis heute Sonntag, den 16. April an. Live-Musik mit etablierten und weniger bekannten Bands beschränkte sich aber auf Freitag und Samstag. Folgende Bands gaben sich an diesen zwei Tagen die Klinke in die Hand:
[ 65daysofstatic, Adam Green, Akron/Family, Battles, Be Your Own Pet, Beautiful New Born Children, Black Dice, Cardigans, CocoRosie, Coldcut, Daniel Wang, DJ Kentaro, DJ Oof Cinemix Show, Emiliana Torrini, Greg Wilson, Guillemots, Idjut Boys, I-F, Isobel Campbell, Jenny Lewis with The Watson Twins, Kelley Polar Quartet, Kieran Hebden and Steve Reid, Lily Kiara, LoudE, Maxence Cyrin, Mazarin, Mi & L'au, Midaircondo, Mogwai, Paavoharju, Sickoakes, St Paul presents Helter Skelter,Superthriller, Tako, Tomàn, Vashti Bunyan, Veils, We are Scientists, Wolf Eyes, Zita Swoon ]
Die Musik spielte in zwei verschiedenen Locations die kaum 2 Minuten Fussweg voneinander getrennt waren. Zum einen die Rotterdamse Schouwburg mit zwei grösseren Sälen und kleineren Kunstgallerien und Videoprojektionen an den Wänden, und zum anderen das gemütliche Nighttown, das in drei verschiedene Konzertsäle unterteilt war und wo das Ninja Tune-Label schätzungsweise 80.000 Cds und 12,7 Tonnen Merchandise verkauften.
Am Freitag um 20:00 startete dann das ganze Festival mit der belgischen Postrock-Formation Tomàn. Im Nighttown Theatre, dem kleinsten Konzertsaal von allen, durften sich die 4 Jungspunte aber vor zahlreichem Publikum bewähren, denn etwa 200 Zuschauer hatten sich auf den verschiedenen Ebenen des Theatersaals bequem gemacht. Zu erst dachte ich, dass ich der Band eine Chance gebe und dann nach 20 Minuten direkt rüber zu Adam Green’s Konzert wechsele, doch Tomàn fesselte mich derart, dass ich das ganze Konzert gespannt weiterverfolgte. Musikalisch gewinnen die Jungs zwar sicher keinen Originalitätspreis, doch ihre kurzweilige Mischung aus Honey for Petzi, Explosions in the Sky, The Notwist und Múm wusste zu überzeugen. Nach ihrem Set gestanden Tomàn aber noch, dass sie ernsthaft verwundert waren über die immense Zuschauerzahl, denn am Vortag spielten sie anscheinend noch vor knapp einer Handvoll Leute. Nachdem ich mir dann noch schnellstens ihre Platte besorgt hatte, düste ich schnurstracks in die Nighttown Main Hall, wo schon knapp 1400 Zuschauer den letzten Stücken von Adam Green zuhörten.
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Adam Green mag man, oder man mag ihn nicht, und deshalb werde ich jetzt vorsichtigerweise hier keinen zu ausführlichen Bericht über seine zugegebenermassen etwas irritierenden Songs verfassen. Das Publikum verwunderte es auch ein wenig, denn was uns Herr Green auf der Bühne an kuriosen und selten dämlichen Tanzschritten vorführte, war wirklich sehr sehr speziell. Mal hoppelte er wie ein Osterhase, dann sprang er wieder von der Tarantel gestochen über die Bühne und rempelte die „Tänzer-“ und „Tänzerinnen“, die er vor jedem Song aus dem Publikum auf die Bühne orderte, an. Natürlich durften altbekannte Songs wie das Werner-Cover „Beinhart wie ein Rocker“ („Emily“) und „Nat King Cole“ nicht fehlen. Wie gesagt, man mag seine etwas tolpatschige und verpeilte Art, oder man lässt es sein. Ich persönlich mag’s nicht.
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SETLIST:

Alle Angaben ohne Gewähr!
Kaum nachdem ich mir durch ein Himmelfahrtskommando die Setlist ergattert habe, wurde im Nighttown Basement fleissig weitergepop-rockt. Da der kleine Saal, der an die kleine Escher Kulturfabrik erinnerte aber zum Bersten voll war, verpasste ich die aus Philadelphia angereisten Mazarin. Stattdessen erwartete mich im Nighttown Theatre eine auf dem Papier sehr interessante Band.
Paavoharju, eine 8-köpfige finnische Formation, die als breakbeat-lastige Folkelectronica-Act angekündigt wurde, sahen von der Bühnenpräsenz und dem verwendeten Equipment her sehr vielversprechend aus, denn neben allerlei kuriosem Instrumentarium, war auf der Bühne keinen Platz mehr für Bewegung, zu sehr hatten sich die sympathischen Finnen zugebaut. Doch schon nach dem dritten Song verliess ich das Theater wieder, denn mit Electronica hatte ihr Set nur im allerweitesten etwas zu tun. Zu inspirationslos und platt erschienen mir ihre Kompositionen. Ein ganzer Haufen Zuschauer sah das genauso und begaben sich zu 65 Days of Static.
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65 Days of Static aus dem englischen Sheffield waren für mich der heimliche Headliner des Festivals, denn eigentlich habe ich nur wegen ihnen (und natürlich Mogwai) die 350 Kilometer nach Rotterdam gemacht. Da ich einen Platz in der ersten Reihe anvisierte, verpasste ich die Battles, die ich natürlich ungern verpasste, doch man musste bei diesem wohlgefüllten Programm einige Kompromisse eingehen. Und 65 Days of Static waren mit Abstand das stärkste Set was ich auf dem Motel Mozaique-Festival miterleben durfte. Auf Platte bieten einem 65 Days erstklassigen Math-Rock allerhöchster Güte, doch live muss man diese Band einfach erlebt haben. Das vom Notebook gestartete Intro „Drove through Ghosts to get here“ ertönte aus den Boxen, und dann kamen 65 Days auf die Bühne und bolzten auf den Fährten des Intros drauf los als gäbe es keine Morgen. Was hier an Energie freigesetzt wurde steht in keinster Relation zu sonstigen Konzerten die ich bisher erleben durfte. Mein Körper stand derart unter Strom, dass man mich problemlos ans niederländische Stromnetz anschliessen hätte können. Auf der Bühne flogen Plektren und Drumsticks en masse durch die Luft und es glich einem Wunder, dass sich niemand bei diesem wahnsinnigen Spektakel verletzte.65 Days of Static sind live wie auf Platte, nur 10 mal mehr! [sic!]
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SETLIST:

Alle Angaben ohne Gewähr!
Übelst geflasht
von 65 Days of Static war dann der neueste Übersee-Hype dran:
We are Scientists aus New York dürfte wohl mittlerweile jeder kennen, denn der ÜBER-Song „Nobody Move, Nobody Get Hurt“ ist sicherlich nicht spurenlos an uns vorbeigekommen. Meiner Meinung nach ist dieser Song ihr Verhängniss, denn er ist der einzige auf ihrer CD „With Love and Squalor“ der wirklich abgeht. Für Fans von The Strokes, The Vines und Sound-a-Likes sind We are Scientists sicherlich eine willkommen Abwechslung, doch was sie an diesem Abend in der Nighttown Main Hall ablieferten war für mich keine 2 Cent wert. Natürlich hatten sie nach den überragenden 65 Days einen schweren Stand mich zu überzeugen, doch hier fehlte es an allem was ein gutes Konzert ausmacht: die Songs eher durchschnittlich, die Bühnenpräsenz und – Show zweitklassig, die Leute uninteressiert, der Sound so lala. So ergriff ich auch frühzeitig die Flucht. Eine Enttäuschung sondergleichen.
Da noch knapp 40 Minuten Zeit waren bis zum Mogwai-Konzert, sprang ich noch kurz ins Nighttown Theatre wo Superthriller bereits mitten in ihrem Set waren. Da ich vorher noch nichts von dieser Band gehört hatte, war ich erstmal sichtlich überrascht, wieviele Leute sich hier in dem kleinsten Saal eingefunden haben und zu Superthriller’s stampfenden Discorock abtanzten. Musikalisch tönte es für mich als hätten hier LCD Soundsystem ein kleines Tête-à-tête mit Beck. Für den nötigen Druck sorgten eineinhalb Drummer und ein saumässig cooler Sänger. Trotz der perfekten Musik zum perfekten Zeitpunkt, musste ich mich frühzeitig auf den Weg machen um rechtzeitig auf der Mogwai-Show zu sein.
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In der Rotterdamse Schouwburg angekommen traute ich meinen Augen nicht, denn auf dem Parterre lagen eine Unmenge an Kissen (kein m² was nicht bedeckt war [sic!]) wo es sich die Zuschauer gemütlich machten. Oben auf den 2 Balkonen waren bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn freie Sitzplätze Mangelware, somit begab ich mich weiter nach vorne. Auf der Bühne hatte es sich ein Mann gemütlich gemacht, der sich gerade einen Joint baute. Nachdem er ohne Hast seine Knispel fertig gedreht hatte schlenderte ein Security-Kleiderschrank (die übrigens alle [sic!] sehr korrekt waren) zu ihm hin und forderte ihn freundlich auf die Bühne frei zu machen. Rauchen durfte er, nur nicht auf der Bühne… ![]()
Über Mogwai zu schreiben ist wie zu Architektur tanzen. Wenn Schopenhauers Behauptung, Architektur sei gefrorene Musik, zutrifft, dann stellt das meiste was man heute im Radio hört geschmolzene Stadthallen dar, und Mogwai errichten prachtvolle Kirchen. E.T.A. Hoffmann schrieb einst: „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an!“ Und in diesen Ebenen musizieren Mogwai. Ihre grösstenteils instrumentalen Postrock-Epen brauchen oftmals keine Lyrics um ein Höchstmass an Spannung und Atmosphäre zu erzeugen. Mogwai sind mittlerweile outstanding (anderes Beispiel Sigur Rós). Leider blieb ein kleiner Wermutstropfen, man sollte die Band eher in einem kleinen Club sehen, denn ein Bruchteil der Magie geht in einem grossen Saal wie die Rotterdamse Schouwburg verloren.
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SETLIST:

Alle Angaben ohne Gewähr!
Ehe ich mich aber wieder zurück in die Nighttown machte, hatte ich noch die Ehre 65 Days of Static anzutreffen und ein wenig mit ihnen zu plaudern und anzustossen. Obwohl sie mich noch auf einige Drinks eingeladen hatten, wollte ich doch rechtzeitig zum Coldcut-DJ-Set in der Nighttown Main Hall sein.
Ich stoppte nochmal kurz im Nighttown Basement wo Black Dice spielten, da mir aber nach etwa 10 Minuten nichts anderes als ultrafiese Rückkopplungen und Drones an den Kopf knallten, folgte ich der Viertel-Bassdrum die mich aus der Nighttown Main Hall anlockte.
Coldcut, das Ninja Tune Urgestein und Gründungsvater hatten ein anderthalb-stündiges LIVE-DJ-Set mit VJ-Einlagen eingeplant. Auf einem etwa 10m² grossen Tisch stapelten sie massenweise DJ-Gear und sage und schreibe 6 Laptops. Neben absolut grooy Funk-, gemütlichen Soul- (mit live-Soulmama), derben Oldskool-Hiphop-, fiesen Breakbeatstücken gesellten sich auch noch 2 high-skilled MC’s die der bewegungssüchtigen Meute zusätzlich einheizten auf die Bühne . Die Videosequenzen waren allesamt sehr unterhaltsam, weit ab von den üblichen Clips (Krieg, Leid, Natur…), und passten auf die Songs wie Arsch auf Eimer.
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Um halb vier war dann Schluss mit der Live-Musik und man konnte in den diversen Locations zu DJs tanzen, die allesamt sehr stilsicher und gekonnt die Leute bis in die frühen Morgenstunden unterhielten.
Die Motel Mozaique-Organsiatoren hatten auch für Schlafplätze gesorgt, denn, wenn man sich rechtzeitig angemeldet hatte, durfte man an ihrem „Heavenly Sleeping“-Programm teilnehmen, wo man u.a. verschiedensten Schlafplätzen zugeordnet wurde: so schliefen die Meisten dann in Kirchen und einige wenige sogar in Schaufenstern der Boutiquen in der Innenstadt. Lieder war ich etwas zu spät dran und musste somit mit einem Hotel vorlieb nehmen.
Alles in allem war das Motel Mozaique-Festival in Rotterdam eine mehr als positive Erfahrung und man sieht sich nächstes Jahr, wenn ich wieder eingeladen werde… An dieser Stelle nochmal ein grosses Dankeschön an das Motel Mozaique-Team.
Leider konnte ich nicht noch den zweiten Zag dieses aussergewöhnlichen Festivals miterleben.
Und an alle die wieder im Forum über den Wahrheitsgehalt der Setlists diskutieren wollen:
[Über Pop-Journalismus diskutieren, ist wie Baumeister zu Dancing-Stars machen!]
65daysofstatic - Retreat! Retreat!
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