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Summerblast @ Exhaus, Trier
17 Juni, 2006, 11:42 Uhr vormittags
Gespeichert unter: 1. Konzertberichte

Letzten Samstag war es wieder soweit, der lokale Organisator alphadoubleplus und ihre Kollegen aus Karlsruhe, Mount Caldera, riefen zum fröhlichen Moshfest: dem The Ultimate Summerblastfest!

Da ich nur eine mündlich zugesagte Presse Akkreditation vorzeigen konnte, machte ich mich schon recht früh (1 Stunde vor Doortime) ins Trierer Exhaus. In einer Welt wo Worte nicht mehr allzu viel zählen, machte ich mir schon Sorgen überhaupt hinein zu kommen, denn das Festival war im Laufe der Woche restlos ausverkauft worden. Glücklicherweise wurde ich dann doch freundlich eingelassen (an dieser Stelle noch mal einen grossen Dank an alphadoubleplus) und man erkundete neugierig das Festivalgelände. Neben der grossen Sommerbühne wo die eigentlichen Headliner spielten, konnte man Skatern und Bikern beim irrsinnigen Halfpipestunts zusehen. Im Balkensaal und im kleinen Exil hatten sich die Merchstände der verschiedenen Bands eingefunden und auch zahlreiche Distros wie z.B. Green Hell, Greed Records und Bastardized Recordings verkloppten ihre Platten und Goodies. Draussen gab es noch ein kleines Zelt wo man sich über die Fussball-WM-Spiele informieren konnte. Regen Zulauf fand dieses kleine Zelt aber kaum.

Das gut gefüllte Programm sah in etwa so aus:

Open Air Stage

15.00-15.30:
Fear My Thoughts

15.50-16.20:
Maroon

16.40-17.15:
Evergreen Terrace

17.35-18.15:
Black Dahlia Murder

18.35-19.15:
Heaven Shall Burn

19.35-20.25:
Darkest Hour

20.40-21.30:
Ignite

21.50-22.50:
Caliban
 

Indoor Stage

14.20-14.50:
Convict

15.10-15.40
Cephalic Carnage

16.00-16.30
Dead To Fall

16.50-17.20:
Damnation AD

17.40-18.10:
Ringworm

18.30-19.00:
With Honor

19.20-19.50:
Neaera

20.10-20.40:
Destiny

21.00-21.40:
Most Precious Blood

22.00-22.40:
Hatesphere

Als erste Band sah ich mir draussen auf der grossen Sommerbühne Fear my Thoughtsan, die schon auf dem diesjährigen Out of the Crowd Festival einen guten Eindruck hinterliessen. Leider bekam ich nur 3 Songs mit, wobei 2 von der aktuellen Platte waren. Der Sound war recht mies, deshalb machte ich mich rasch ins Exil, wo schon das erste Highlight spielte.

Convict verpasste ich leider wegen der übelst früh angesetzten Timetable.

Cephalic Carnage wurde mir von Kollegen ans Herz gelegt, dass ich mir das anhören sollte. Und ich wurde nicht enttäsucht, denn Cephalic Carnage konnten mich mir ihrem abwechslungsreichen Grindcore vollends überzeugen. Nicht nur der kompromisslose Sound, sondern auch die lustigen Interludes hatten echtes Unterhaltungspotenzial.

Nachdem mich Cephalic Carnage schon übelst beeindruckt hatten, stand mit Maroon eine weitere Band auf dem Programm, die hohen Bekanntheitsgrad geniesst, die ich bisher aber noch nie zu Gesicht bekam. Der schwache Sound ihrer Vorgruppe war hier nur marginal besser, was den Gesamteindruck der Band etwas trübte, denn mit drucklosen Sound der Meute einzuheizen entpuppte sich als schwieriges Unterfangen.

Dead to Fall boten breakdownlastigen Metalcore der unspektakulären Sorte. Es war zwar in grossen Zügen nicht unhörbar, doch da sollten später noch ganz andere Caliber antreten.

Evergreen Terrace konnten mich letztes Jahr auf der “Hell on Earth”-Tour schon nicht so recht überzeugen, und diesen Eindruck konnten sie auch diesmal nicht ändern. Obwohl sie wie gesagt einige Ohrwürmer in ihrem Repertoire haben, übersteigt deren Halbwertszeit kaum die Autofahrt nach Hause.

Bei einer so hohen Frequenz an etablierten und guten Bands können feine Nuancen sofort den Gesamteindruck einer Band schmälern. Damnation AD waren bis dato die schwachste Band. Innovationslos und kalkuliert wie die US-amerikanischen Remakes japanischer Horrorfilmklassiker.

The Black Dahlia Murder litten zunächst auch unter dem miserablen Sound der aussen herrschte. Zum Glück besserte sich die Situation während ihres Sets, doch einen faden Beigeschmack blieb schon. Da gefielen die mir Anfang des Jahres in der Kulturfabrik schon um einiges besser.

Obwohl ich Ringworm nicht kannte, spielten sie vor einem gerammelt vollem Exil. Vielleicht suchten die Leute Zuflucht vor dem unerträglichen Matschsound von The Black Dahlia Murder? Ihr ausgelutschter Proll-Hardcore liess mich aber völlig kalt, so dass ich mich auf die Suche nach was Essbarem machte.

Und da lag der Hase im Pfeffer, denn schon zu solch früher Stunde war Schluss mit Chili und Obst. Denn die Veranstalter hatten das Essen wohl zu knapp bemessen. Man wurde zwar freundlich darauf hingewiesen, dass knappe 100m entfernt eine Fastfood-Filiale aufzufinden sei, da aber viele Fans einen vegetarischen/veganen Lebensstil bevorzugen, schien es irgendwie fehl am Platze, sie zu Murderking zu verweisen.

Heaven Shall Burn waren dann in meinen Augen die zweite hochklassige Performance an diesem Tag. Nicht nur wegen des fast optimalen Sounds, sondern auch wegen ihrer energiegeladenen Bühnenshow überzeugten sie mich. Obwohl der Sänger oftmals seinen Missmut über das bewegungsfaule Publikum ausrief, war die Stimmung alles andere als schlecht. Auch die befürchteten ausartenden Circlepits und Violent Dancing-Moves mit billigend in Kauf genommener Körperverletzung blieben aus, so dass kaum Vorfälle zu bemerken waren. Bei ihrem Set gefielen mir vor allem die Songs der “Antigone”-Platte, wogegen die neueren Sachen, die Ende August erscheinen sollen, das hohe Niveau der “Antigone” nicht halten können und unangenehm schnell abflachten.

Die direkt darauf folgenden Darkest Hour konnten in punkto Stimmung noch einen drauflegen. Doch auch hier beklagten sich viele über die harmlosen Pits. Darkest Hour profitierten zwar wiederum nicht von gutem Sound, doch sie machten dies mit gehörigen Einsatz wett. Trotzdem hätte ich Darkest Hour lieber im Exil gesehen anstatt bei 25° im Schatten in Freiluft.

With Honor, Neaera und Destiny verpasste ich wegen den Aussenshows, doch ich liess mir sagen, dass vor allem Neaera zu gefallen wussten.

Ignite konnten zwar auf ein inbrünstig mitgrölendes Publikum zurückgreifen, doch auch hier fiel es mir schwer Begeisterung für die Band zu entwickeln. Am befürchteten Synapsenterror, dass man schon nach kürzester Zeit keinen Platz mehr in der Birne für sägende, attackfreudige Gitarren und donnerndes Doublebassgeknüppel hatte, lag es nicht, denn Most Precious Bloods im kleinen Exilwussten zu gefallen.

Es war zwar übelst warm und auch ungleich anstrengender als die melodiöseren Ignite. Doch Most Precious Bloods kann man getrost zu den besseren Bands des Genres zählen.

Hatesphere verpasste ich leider, obwohl sie mir sicherlich mehr zugesagt hätten als Caliban, die zu dem Zeitpunkt als Headliner auf der grossen Bühne spielten.

Da mir schon aus vielen Quellen versichert wurde, dassCaliban eher mau und vernachlässigbar seien, hatte ich auch kaum höhere Erwartungen an ihr Set. Ihnen wird ja allzugerne Kommerzialisierung vorgeworfen, und diesen Eindruck wurde eindrucksvoll bestätigt, denn ich habe selten eine derart “gemachte” Band gesehen. Obwohl der Sound fast perfekt war, wirkten die Songs alle derart plastich und kalkuliert, dass man schon fast Angst bekam. Wieviel Salz kann man in eine Glas Wasser kippen bis es sich nicht mehr auflöst? Wieviele Breakdowns kann man in einen Song packen bis die versammelte Meute vor der Bühne sich angewiedert abwendet? Auch die etwas tapsigen Aufforderungen des Schönling-Sängers, der dozentenmässig eine Wall of Dead anstimmte, wirkten eher belustigend als ernst zu nehmen. Kajaliban kann man gut finden, wenn man sich, die Band und die Welt nicht zu ernst nimmt.Caliban langweilten dann noch fast über eine Stunde, eher das ganze Festival um 23:00 sein Ende nahm.

Letzten Endes war es dennoch ein gelungener Tag bei guter Musik, gutem Ambiente und friedlicher Atmosphäre. Was die Jungs von alphadoubleplus und Mount Caldera hier auf die Beine gestellt haben, verdient auch im letzten Satz dieses Reviews noch einmal kräftigen Applaus.

Darkest Hour - Convalescence


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