Gespeichert unter: 01. concert reviews | Schlagworte: autechre, idm, köln, rob hall, snd, stadtgarten, warp
Wenn Autechre über den Ursprung ihres Bandnamen erzählen, geben sie zu, dass er zu einem gewissen Teil zufälligen Ursprungs ist: „The first two letters were intentional, because there was an ‘au’ sound in the track, and the rest of the letters were bashed randomly on the keyboard. We had this track title for ages, and we had written it on a cassette, with some graphics. It looked good, and we began using it as our name.“ Am Mittwoch im Kölner Stadtgarten wurde hingegen nichts dem Zufall überlassen. Ein penibel eingeteilter Zeitplan sollte durch den Abend führen. Zunächst, und dann immer zwischen der Vorband SND und dem Hauptact Autechre, stimmte DJ Rob Hall mit recht eingängiger Musik ein. Dies sollte auch ein guter und vor allem notwendiger Schachzug sein, denn 4 Stunden IDM-Kollaps würde die Neuronen grillen. SND betraten dann das Reich der Ungeraden und Verquertheiten. Stoisch hinter ihren Mischpulten im Soundsumpf vertieft, erbauten sie minutiös abstrakte Tongeflechte die erst nach minutenlangem Rätseln eigenartig Sinn ergaben. Doch hatte man erst den Zugang gefunden, zerfiel das Dickicht und man stand wieder mit leeren Händen da. Ähnlich komplex durfte man sich auch Autechre erwarten, die auf Platte die Grenzen des Notensystems und der Mathematik erforschen. Doch live waren AE verdammt on point, ja gerade zu eingängig. Die hochgradig verwinkelten Drumpatterns wurden vereinfacht und auf maximalen Nutzenfaktor getrimmt, so dass der Livemix sogar richtig tanzbar wurde. Ab und zu kam einem der Gedanke, dass sie die Songs von einem anderen, uns in der Technik und Wissenschaft weit überlegenen Planeten mitgebracht haben müssen. So erhielten die knapp 800 Zuschauer einen kleinen Einblick wie die Zukunft klingen muss. Im komplett abgedunkelten Konzertsaal kreierten sie den distopischen Endzeitrave. Beeindruckend, aber auch ein klein wenig beängstigend!
Autechre – Gantz Graf
2 Kommentare bis jetzt
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Dystopischer Endzeitrave. Das gefällt mir!
Kommentar von Marcus Kober 7 März, 2008 @ 7:22Beeindruckend und ein klein wenig beängstigend – so hab ich es auch empfunden, weshalb ich ja auch von Autechre als einem Monster schrieb.
hi RLX-Devlin!
Kommentar von Panorama 11 März, 2008 @ 9:21Wie wahr, wie wahr! Autechre hat es knallen lassen, das steht ausser Frage. Sehr schoen deine Vergleiche mit der Kunst des Rechnens! Meinen Mathefreunden und mir hat der Gig naemlich auch sehr gut gefallen! Mir scheint auch, dass Sean Booth ganz gut zaehlen kann und sich am liebsten im 1/64tel Notenbereich aufhaelt …
Waren wirklich 800 Leute in dem Konzertsaal ? Kaum zu glauben, was mit mehrdimensionaler Vektorrechnung alles moeglich ist.