

Foto: Reinaldo Coddou
Das war es nun, das Melt! 2008. So wechselhaft wie das Wetter ist auch das vorherrschende Stimmungsbild. Wo die nörgelnden Melt-Veteranen dem Festival kaum Positives mehr abgewinnen können, sind die in grellem neon gekleideten Neulinge schlichtweg vom ominösen Melt!-Gefühl begeistert. In der Berichterstattung ist sogar vom Krisen-Melt! die Rede, aber das ist nur Relativierung und Mosern auf hohem Niveau. Polemisieren ist ja schließlich auch nicht der Gipfel der Diskussionskunst. Aber was interessiert uns was früher war? Was zählt – und dafür gibt es drei Euro in’s Phrasenschwein – ist der Augenblick. Natürlich ist man stinksauer, dass schon nach dem dritten Konzert eine einstündige Verspätung herrscht und die Veranstalter es versäumen die Auswirkungen auf das Restprogramm zu kommunizieren. Wenn aber dann Franz Ferdinand mit ihrem Smash-Hit “Take me out” zum Tanz auffordern, Uffie ready to fuck ist, Does it offend you, yeah? zum Rummachen auffordern und Hot Chip ready for the floor sind, dann überwiegt die Euphorie. Allerspätestens bei Björk’s fulminanter Show dürften dann die letzten Restzweifel aus dem Weg geräumt sein. Ähnlich divers ist auch das Melting-Pot-Programm welches sich von kompakten Minimalbolzen über furzenden Dubstep zu aggressivem Baile Funk und tanzbaren Gitarrensound bewegt und für jeden Geschmack – im Spannungsfeld zwischen Electro und Indie – etwas bietet. Auch die Location unterstreicht die Kontraste die das Melt!-Festival zum Geheimtip werden ließ. Auf der Halbinsel Ferropolis nahe Gräfenhainichen, umschlossen vom Gremminer See, ragen vier riesige Kohlekrane in den Himmel, welche nachts mit üppigen und stimmungsvollen Visuals, Pyrotechnik und Laser zum Leben erweckt werden. Funktional und zweckbezogen, wie die Filterhüllkurven auf dem Synthesizer, wo die Regler Attack, Decay, Sustain, Release nur Form und keinen Inhalt bieten, waren auch die Hauptaussagen der Bands: just dance! Wer auf dem Dancefloor nach dem Sinn des Lebens sucht, hat eh etwas nicht verstanden. In dem Sinne waren es die Augenblicke, die das Melt! dieses Jahr doch so spannend und einzigartig machten – trotz, oder gerade wegen, Regenschauer, Hagel, Schlamm, Matsch, Kälte, Wind, Sonnenschein und Regenbögen. Eine Panoplie an Eindrücken – alles was ein gutes Festival halt so ausmacht.


Fotos von niesl (flickr-set)
Melt! 2008 Trailer
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[...] dahin könnt ihr hier und hier schonmal erste berichte (von anderen) lesen. oder bei der intro, wo die startseite gerade [...]
Pingback von melt! 2008. tut mir leid, wenn ich sage, früher war alles besser, aber früher war alles besser. | indiestreber.de 22 Juli, 2008 @ 11:26[...] Direkteingabe: Melt Erfahrungsbericht Xdev: Melt 08 Festival Plaiboi Melt Rückblick Sonett 77 Sander S: Melt in Retrospect Topfives: Besser schmelzen Torsun: [...]
Pingback von Stylewalker - I document life » How was Melt!08? 11 August, 2008 @ 4:35